Herzlich willkommen!

Ich freue mich, dass Sie mich besuchen.



Wertvolle Freiheit

Ab jetzt in der NEUEN komplett überarbeiteten 5. Auflage inklusive goßen, ganzseitigen Farbbildteils.


 Ab sofort auch als e-Book. Bis zum 04.07.21 zum Sonderpreis.


Mit einem Klick auf das Cover, können Sie es direkt beim Verlag bestellen.

Der Verlagsshop bietet auch mir etwas, wenn Sie hier kaufen. Ich sage: Dankeschön.

Selbstverständlich bekommen Sie es, in beiden Varianten, auch im Buchhandel und im Internet in anderen Shops.

Wenn Sie dieses Buch direkt bei mir bestellen möchten, können Sie das gern tun. Für den Zahlungsablauf verwende ich ausschließlich PayPal. Bitte schreiben Sie mir eine entsprechende Mail.


Einen Einblick in mein Buch bekommen Sie hier:

Wertvolle Freiheit

-

Ein Andersdenkender in der DDR

 

 

           

GEGEN DAS VERGESSEN UND

VERKLÄREN DER SED-DIKTATUR IN DER DDR

 


 

ISBN 9783753422640

© 2021 bei Gerd Keil

Hergestellt in Norderstedt, Germany (EU)

www.bod.de

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

Anstelle eines Vorworts: Warum?                 010

1963                                                          011

1965                                                          012

1966                                                          012

1969                                                          014

1970                                                          019

1972                                                          021

1973                                                          024

1974                                                          028

1975                                                          033

1976                                                          037

1977                                                          038

1978                                                          040

1979                                                          046

1980                                                          048

1981                                                          052

1982                                                          055

1983                                                          060

1986                                                         062

1987                                                          106

1988                                                          129

1989                                                          132

1990                                                          154

1993                                                          160

1994                                                          181

1995                                                          189

1997                                                          195

1998                                                          197

1999                                                          199

2000                                                          205

2001                                                          206

2002                                                          209

2005                                                          210

2006                                                          213

2007                                                          217

2008                                                          226

2009                                                          239

2010                                                          242

2013                                                          247

2014                                                          253

2015                                                        254

2016                                                          258

Danksagungen und Schlusswort                  272

Bildteil                                                       275

weitere Bücher von mir                              320                               

 

 

 

 

                       

Dieses Buch ist gewidmet meinen beiden Kindern

Vivien und Sebastian,

meiner ersten großen Liebe Heike,

die 2013 – zu früh – an Leukämie verstarb,

meiner zweiten großen Liebe, Manuela,

meiner Traumatherapeutin, Frau Scheller,

sowie allen Freundinnen und Freunden,

die immer für mich da waren und da sind.

Danke an euch alle, ihr seid die Größten.

 

Anstelle eines Vorworts: Warum?

 

Ich möchte den Leserinnen und Lesern dieses Buches ein Bild von meinem Leben aufzeigen, welches in einem System stattfand, das es heute glücklicherweise nicht mehr gibt. Es ist wichtig, darauf zu achten, dass es auch künftig keine Diktatur mehr geben darf, weder die von links noch die von rechts. Denn jede Form der Diktatur verhindert eine Demokratie in unserem schönen Deutschland. Für mich ist dieses Buch eigentlich ‚nur‘ die Aufarbeitung meiner Biografie. Dass es in ihr Menschen gibt, die schlechter dastehen, und ebenso solche, die besser dastehen, versteht sich von selbst, wenn man nur den Titel des Buches liest und sich darüber einen Augenblick lang Gedanken macht.

Ich habe in meiner Kindheit oft gelernt, dass Familie eher das ist, was man besser nicht hat. Ich habe aber auch gelernt, dass es in dieser Familie Menschen gab, die mir unendlich wichtig waren.

Liebe Vivien, lieber Sebastian,

ihr beide seid das allergrößte Glück für mich.

Ich kann mich auch heute noch ganz genau daran erinnern, wie unbeschreiblich schön und doch jedes Mal neu die Geburt eines Menschen ist.

Bei dir, lieber Sebastian, waren es ganze zweiundzwanzig Stunden, die wir, deine Mama und ich, darauf warteten, deinen ersten Schrei hören zu können. Zwischendurch dachten wir schon, es würde noch ewig dauern. Dann kam er, nach einem sanften Klaps auf deinen Po durch die Hebamme.

Bei dir, liebe Vivien, war es eine Entbindung per geplantem Kaiserschnitt. Was jedoch nicht heißen soll, dass es für uns als deine Eltern weniger aufregend war. Deinen ersten Schrei habe ich leider nur durch die Tür hören können, denn ich musste draußen bleiben. Als ich dich dann auf meinem Arm hielt, habe ich mich unsagbar glücklich gefühlt.

Danke schön dafür an euch beide, denn ihr habt mich zum stolzen Paps gemacht. Paps, weil das das Wort war, was ihr beide zum Paps gesagt habt, als ihr noch klein wart. Ich finde Paps wunderschön.

 

1963

Ich wurde als zweites Kind in eine Familie hineingeboren, die eine sehr sozialistische Einstellung hatte. Mein Vater, gelernter Elektriker, war bei der NVA und meine Mutter, gelernte Verkäuferin für Möbel, hatte mit meinem zweieinhalb Jahre älteren Bruder und mir genug zu tun. Schließlich war ich noch ein Baby und hier konnte man nicht einfach mal Babynahrung kaufen gehen. Bananen standen eher im Fremdwörterbuch als im KONSUM oder womöglich in der eigenen Küche. Wir lebten in einer Berliner Altbauwohnung.

Seit zwei Jahren stand die Mauer, oder wie mein Vater sagen würde, der antifaschistische Schutzwall. Wieso ‚Schutzwall‘, kann ich auch nicht erklären, denn vor wem oder was sollte denn dieses hässliche Bauwerk schützen? Vor der ‚bösen‘ Verwandtschaft im sogenannten nichtsozialistischen Ausland? Vor den Waren, die man hier nur unter dem Ladentisch – wenn überhaupt – bekam, oder etwa vor den Medien, die aussprachen, was man hier nur hinter vorgehaltener Hand denken durfte? Mit dieser Mauer wurde ein ganzes Volk eingesperrt und dieses hässliche Bauwerk sollte noch viele Jahre stehen bleiben.

Zwar hatte Walter Ulbricht verkündet, dass all die Bauarbeiter mit dem Wohnungsbau beschäftigt seien und niemand die Absicht hätte, eine Mauer zu errichten, aber gebaut wurde sie trotzdem. Und das von Bauarbeitern, die von Soldaten der Nationalen Volksarmee, wie diese sich nannte, streng bewacht. Die Mündungen der Maschinenpistolen im Rücken der Bauarbeiter.

Erich Honecker hat später mal gesagt, die Mauer werde auch in fünfzig oder hundert Jahren bestehen bleiben, solange stand sie aber zum Glück nicht mehr. Nicht mal Erich blieb zum Glück noch fünfzig Jahre an der Macht.

 

1965

Ich kam für ein Jahr in ein Kinderheim, da mein Vater bei der NVA seinen Ehrendienst leistete und meine Mutter mit Gelbsucht im Krankenhaus lag. Ehrendienst? Na, es war offiziell eben eine Ehre, bei der Armee zu dienen. Meine Oma und mein Opa mussten noch arbeiten und hatten meinen großen Bruder zu sich genommen. Da die Wohnung meiner Großeltern nicht sehr groß war, war für mich bei ihnen kein Platz mehr gewesen.

Diese Zeit im Kinderheim hat, denke ich, auch mein späteres Leben sehr beeinflusst. Die anderen Kinder und das Spielen vielleicht weniger als die ständig erzwungenen Handlungen. Lächeln und freuen geschah hier oft genauso auf Kommando wie gerade sitzen und essen oder spielen. Selbst wenn ich heute an diese Zeit zurückdenke, bekomme ich das Gefühl von Angst und davon, allein gelassen zu sein. Als Kind war das für mich so schlimm, dass es mir heute schwerfällt, darüber zu schreiben.

 

1966

Nun war ich schon fast drei Jahre alt. Unsere Eltern zogen mit uns in eine fast unbezahlbare Neubauwohnung, aber mein Vater war schließlich ein treuer Genosse der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, kurz: SED. Immerhin tauchte hier das Wort Deutschland auf und keiner, nicht mal einer der Genossen im Politbüro, merkte das. Aber nicht nur die Mitgliedschaft in der SED wurde benötigt, um eine solche Plattenbauwohnung zu bekommen. Mein Vater war auch jede Woche während der Sprechzeit in das Büro der „Kommunalen Wohnungsverwaltung“ (KWV) gelaufen. Dort war er den Sachbearbeitern so lange auf die Nerven gegangen, bis diese endlich eingewilligt hatten und wir in eine solche Wohnung ziehen konnten.

Hier tropfte es nun nicht mehr von der Decke. Es war eine Drei-Raum- Wohnung in Friedrichsfelde, unweit vom Berliner Tierpark. Dieser wurde zum beliebtesten Ausflugsziel für uns vier. Wenn dort im Sommer die Affen früh gegen vier Uhr mit großem Spektakel wach wurden, konnten wir das zu Hause hören, und so begann für uns Kinder auch der Tag. In der Woche war das kein Problem, da unsere Mutter zu dieser Zeit schon wach war, um die Zeitungen auszutragen. Am Sonntag war dies anders, darauf nahmen wir als Kinder aber nicht wirklich Rücksicht. Mittlerweile arbeitete mein Vater bei der Berliner S-Bahn in der Bahnstromversorgung.

Fortan würde er nun auch im Westteil der Stadt, also hinter der Mauer, arbeiten und die Soldaten der Grenztruppen der NVA bei jeder Grenzüberschreitung freundlich grüßen. Womöglich hatte einer von denen nur einen Tag vorher einen Menschen erschossen, nur, weil dieser in Freiheit leben wollte. Kann man so einen Soldaten freundlich grüßen?

Er war jetzt ein sogenannter Reisekader. Er war einer der wenigen, die nach dem Mauerbau im ehemaligen Westteil arbeiten durften, obwohl sie im Ostteil der Stadt wohnten. Für uns Kinder brachte er von dort nie etwas mit, dafür hatten wir zum Glück unsere Oma und unseren Opa. Für unsere Mutter brachte er gelegentlich ein Medikament mit, welches die Verdauung anregen sollte und frei verkäuflich war.

Da es keinen anderen Kindergartenplatz für mich gab, war ich in einer kirchlichen Einrichtung angekommen. Hier wurde vor jeder Mahlzeit, obwohl dies eine evangelische Kita war, ganz sozialistisch gebetet und die Erzieherinnen trugen ihre schwarzen Nonnenkleider. Glücklicherweise war es ein freundliches Schwarz. Die wenigen Spielsachen wurden unter vielen Kindern aufgeteilt. So lernte ich schon als kleines Kind, mich durchzusetzen, was mir meist sehr schwerfiel. Ich hatte wohl immer gedacht, dass ich ja zu Hause auch etwas zum Spielen hatte, und gegen meinen älteren Bruder war das mit dem Durchsetzen nicht so schwer wie gegen die anderen Kinder hier im Kindergarten. Vor und nach dem Mittagessen saßen dann 25 Kinder nebeneinander auf dem Topf. Hier wurde das große Geschäft gemeinschaftlich in einer Reihe auf Kommando erledigt.

 

1969

Mein Bruder kam in die erste Klasse und fuhr nun künftig immer mit dem Linienbus zur Schule. Er war ein fleißiger Schüler, der auch bald nach seiner Einschulung ein Jung-Pionier werden sollte. Stolz fuhr er, sein blaues Halstuch und bei allen Festivitäten die weiße Pionierbluse tragend, zur Schule. In der HO-Kaufhalle gab es auch nicht viel mehr als im KONSUM und so waren wir zufrieden mit dem, was wir nicht hatten.

Nach ein paar Tagen Schule hatte er einen Unfall, weil er von einem Linienbus an der Haltestelle angefahren wurde. Der Krankenwagen und die Volkspolizisten ließen nicht lange auf sich warten und so wurde er schnell versorgt.

Zum Geburtstag von Opa fuhren wir dann mit einem Taxi – einem echten Taxi. Das allein war schon eine Attraktion, aber bei Oma und Opa war nicht Opa als Geburtstagskind die Hauptperson, sondern mein Bruder, der ja nun ein Gipsbein hatte. Jeder, der kam, gratulierte meinem lieben Opa zum Geburtstag und wendete sich sofort meinem armen Bruder zu und fragte ihn aus, wie das passieren konnte.

Ich fand das meinem Opa gegenüber so gemein, dass ich mich auf seinen Schoß setzte, um ihn mit meinen kleinen Armen richtig zu drücken und ihn zu trösten, denn aus meiner Sicht musste er doch traurig sein, wenn man ihn an seinem Geburtstag so behandelte.

Meine Oma und mein Opa waren nun beide im Rentenalter und beide hatten sich das bestimmt auch verdient. Ich selbst war fünf und wurde bald sechs Jahre alt, da ich erst im Dezember geboren wurde. Beide hatten von nun an auch mehr Zeit für uns Kinder. Wie sie vorher die Zeit gehabt hatten, war mir oft nicht klar gewesen, denn ich würde meinen, dass sie beinahe jede freie Minute dazu genutzt hatten, mit uns etwas zu unternehmen.

 

Eine Auswahl an Begebenheiten mit meinem Bruder

 

Auch zu Hause sah es nun nicht gerade super aus mit den Spielsachen, denn es gab doch nichts oder kaum etwas und davon ganz viel. So hatten wir zum Beispiel eine Holzlokomotive, mit der ich unbedingt zu der Zeit spielen wollte, zu der sie mein Bruder gerade hatte. Wer selbst mindestens zwei Kinder hat, kann sich nun ausrechnen, was wohl passierte.

Richtig, es gab Streit, und zwar richtigen Streit. Ich hatte so oft bei meinem Bruder nachgeben müssen, weil er der ältere und weil er krank war. Ich hatte das als kleiner Junge nie so gesehen. Als ich selbst zur Schule kam, verstand ich nicht, warum mich so viele Kinder auslachten. Der Grund: Ich hatte einen Bruder, der auf eine Sonderschule ging. Da ich aber auch nicht wirklich verstand, warum das so war, steckte ich wieder zurück, ließ mich auslachen und stand zu meinem Bruder.

 

Ein anderes Mal tobten wir beide in unserem gemeinsamen Zimmer herum, bewarfen uns mit Kissen und rannten dabei um den Tisch und um die Stühle. Ich war der Kleinere und das nicht nur vom Alter her, sondern auch von meiner körperlichen Größe. So schlug mein Bruder vor, ich dürfe, anstatt um die Stühle zu rennen, zwischen dem Tisch und den Stühlen eine kleine Abkürzung nehmen. Das tat ich auch und so war ich wenigstens ein wenig schneller als zuvor. Zwischendurch blieben wir auch mal stehen oder wechselten die Richtung. So kam es, dass ich die Tischdecke herunterriss. Dadurch stolperte mein Bruder und fiel gegen den Schrank. Passiert war ihm außer dem Schreck gar nichts. Den Schreck selbst bekamen wir eigentlich alle beide und ich musste mich, weil ich ja daran schuld war, bei meinem Bruder entschuldigen und durfte an diesem Tag nicht mehr weiterspielen. Danach erzählten uns unsere Eltern, dass sie eine Überraschung für uns gehabt hätten. Gehabt hätten?

Ja, da ich nicht artig war, gingen unsere Eltern mit meinem Bruder am Abend in den Zirkus, und um meine Eintrittskarte, die schon bezahlt war, nicht verfallen zu lassen, wollten sie nun die Tochter der Nachbarsfamilie mitnehmen. Sie würde sich bestimmt über einen Zirkusbesuch freuen.

 

Wir wollten zu Hause, in unserem Kinderzimmer, unbedingt Tischtennis spielen. Da ein Tischtennisspiel viel zu teuer war, beziehungsweise es vielleicht auch gar keines gab, bauten wir uns eines. Unseren Tisch konnte man an beide Seiten ausziehen, das war schon ein großer Vorteil für unser Vorhaben. So hatten wir nämlich einen Tisch, der so etwa die Abmessungen einer Tischtennisplatte hatte. Anstelle des Netzes verwendeten wir meine Hosenträger. Aufgrund meines minimalen Körperumfangs zu dieser Zeit brauchte ich diese, da es so einen kleinen Gürtel nicht gab. Ohne wäre mir jedoch jede Hose beim ersten Schritt heruntergerutscht.

So hatten wir zwei Felder und jeder seine Seite, wenn der Hosenträger an der Stelle liegenblieb. Wir rückten ihn immer wieder an die richtige Stelle, meist zu dem Zeitpunkt, wenn unser Gummiball wieder auf die Erde gefallen war. Das kam, weil wir beide nicht gerade die perfekten Spieler waren, ziemlich oft vor. Da wir auch keine Tischtenniskellen hatten, nutzten wir unsere Farbmischpaletten, die eigentlich dazu da waren, zum Beispiel aus Blau und Gelb die Farbe Grün zu machen, wenn wir malen wollten. Aber erfinderisch zu sein, oder besser sein zu müssen, lernte man auch schon als kleiner DDR-Bürger von sechs Jahren.

So haben wir angefangen zu spielen, bis ich einen ganz schnellen Ball spielte und danach nur noch das Klirren der Scheibe in unserer Tür zu hören war. Mein Bruder war wieder mal schuldlos. Ich wurde im dunklen Badezimmer eingeschlossen, wo ich die nächsten Stunden eingesperrt blieb.

 

Wir spielten wieder einmal Fangen in unserem Kinderzimmer. Mein Bruder war wie immer der Schnellere. Ich überlegte mir also einen Plan, wie ich meinen Bruder fangen konnte. Ich nahm mein Unterhemd und warf es ihm in einem möglichst hohen Bogen entgegen. Möglichst hoch, weil mein Bruder größer war, aber auch, weil dieses Unterhemd nicht unbedingt die beste Flugbahn hatte. So glaubte ich, würde das Unterhemd auf dem Kopf meines Bruders landen und ihm die Sicht verdecken.

Leider ging mein toller Plan nicht auf und so flog mein Unterhemd auf dem kürzesten Weg direkt auf die Gardinenstange. Meine Eltern kamen ins Zimmer, um zu sehen, warum wir so laut waren. Ich hatte keine Chance, vorher noch das Unterhemd von der Gardinenstange zu holen. Als mein Vater fragte, wie denn das Hemd dorthin gekommen sei, antwortete ich: „Das ist mir da raufgefallen.“ Ich glaube, eine dümmere Ausrede wäre wohl auch keinem anderen eingefallen.

 

Wie bei den meisten Kindern, die in der DDR geboren wurden, war das Spielzeug nicht so üppig wie das der Kinder, die heute groß werden.

Irgendwann bekamen wir Kuscheltiere. Da auch diese geteilt werden mussten, nahm so manches Kuscheltier Schaden. Mal ging ein Arm, ein anderes Mal ein Bein oder auch mal ein Auge verloren.

Zum Glück gab es da das Kinderfernsehen mit dem täglichem Abendgruß vom Sandmann. In diesem war auch: Frau Puppendoktor Pille mit der großen klugen Brille. Genau dorthin nahm mein Vater dann diese Kuscheltiere mit, und nach einigen Tagen, manchmal auch Wochen, kam das Kuscheltier wieder zurück. Nun war alles wieder ganz. Aber das allein ging natürlich nicht. Wir bekamen jedes Mal einen Brief von Frau Puppendoktor Pille, in dem sie uns schrieb, dass wir doch etwas vorsichtiger mit unseren Spielsachen umgehen sollten.

Dies nahmen wir uns auch immer fest vor, aber wie das so ist, unter Brüdern: Es gab wieder Streit und der Teddy hatte ein Auge weniger. Wir machten das nicht absichtlich, aber wenn nun mein Bruder zur selben Zeit mit dem Spielzeug spielen wollte wie ich, gab es eben Streit.

 

Einen Fernseher hatten wir auch: schwarz-weiß und ein Bildschirm, mit einem Diagonalmaß von 33 Zentimetern. Nicht viel größer war auch der hintere Teil des Gerätes. Umso mehr wunderten wir Kinder uns, wie da wohl die ganzen Leute hineinpassten.

Irgendwann ging der Fernseher wieder mal kaputt und mein Vater, der Elektriker war, schraubte die Rückwand ab. Gott sei Dank kannte er sich mit diesem Gerät wohl aus. Denn von mir kam sofort die Frage: „Wo sind Frau Elster, Herr Fuchs, Pittiplatsch, der Sandmann, Schnatterinchen und all die anderen Figuren aus dem Kinderfernsehen?“

Mein Vater brauchte nicht lange zu überlegen. Er erklärte mir, wer in welcher Röhre sei. Dass ich diese Figuren jetzt nicht sehen könne, liege daran, dass er den Fernseher geöffnet habe. Die Figuren können da also nicht drin sein, denn wenn sie jetzt herauslaufen würden, sei es möglich, dass sie nicht mehr nach Hause finden.

 

1970

Die Zeit im Kindergarten war nun auch für mich vorbei und auch ich sollte bald ein Jungpionier werden.

Die Pioniere der 1. bis 3. Schulklasse (von sechs bis zehn Jahren) zählten zu den Jungpionieren und trugen zu besonderen Anlässen blaue Halstücher.

Die „Zehn Gebote der Jungpioniere“, die auch auf der „Pionierausweis“ genannten Mitgliedskarte standen, lauteten zunächst:

Wir Jungpioniere lieben unsere Deutsche Demokratische Republik.

Wir Jungpioniere lieben unsere Eltern.

Wir Jungpioniere lieben den Frieden.

Wir Jungpioniere halten Freundschaft mit den Kindern der Sowjetunion und aller Länder.

Wir Jungpioniere lernen fleißig, sind ordentlich und diszipliniert.

Wir Jungpioniere achten alle arbeitenden Menschen und helfen überall tüchtig mit.

Wir Jungpioniere sind gute Freunde und helfen einander.

Wir Jungpioniere singen und tanzen, spielen und basteln gern.

Wir Jungpioniere treiben Sport und halten unseren Körper sauber und gesund.

Wir Jungpioniere tragen mit Stolz unser blaues Halstuch.

Später wurde das zehnte Gebot um einen Satz ergänzt:

Wir bereiten uns darauf vor, gute Thälmannpioniere zu werden.

Quelle: Wikipedia

 

Eigentlich wird jedes Schulkind zuerst ein Jungpionier. Auch ich wurde einer. Nach knapp einem halben Jahr Schule bekam unsere Schule auch einen Namen. Wir, die anderen Kinder aus meiner Klasse und ich, waren die ersten in dieser Schule. Vor uns hatte es hier noch keine Einschulungen gegeben. So wurden wir also Jungpioniere und auch ich trug bei allen Festivitäten das blaue Halstuch und die weiße Pionierbluse eines Jungpioniers. Das Lernen fiel mir in den ersten Jahren der Schule schwer, aber ich strengte mich an, um mein Bestmögliches zu geben.

Unsere Klassenlehrerin war eine Frau mit dem Gemüt eines Schaukelpferdes, eine bessere Lehrerin hätten wir nicht bekommen können. Wenn ich mal wieder nicht so viel oder besser gesagt: gar nichts verstanden hatte, fragte ich nach und sie half mir oder uns allen weiter. Immerhin waren wir 36 Kinder in einer Klasse und diese Rasselbande zu bändigen, war sicher nicht immer leicht. Aber sie hat das mit Bravour gemeistert.

Ich bin heute froh, eine solch gute Lehrerin gehabt zu haben.

Wie gut, dass im real existierenden Sozialismus alles so vortrefflich einheitlich geregelt war. Sogar die schönen neuen Häuser, die die fleißigen Bauarbeiter aus allen Teilen der DDR bauten, waren so schön einheitlich grau. Immerhin wurden aber Wohnungen gebaut, sodass die Werktätigen in der DDR ein Dach über dem Kopf hatten, durch das es







 


 

 
E-Mail
Karte
Infos