Herzlich willkommen bei gerd keil!


Herzen die Gesichter tragen,
stellen keine dummen Fragen,
sie sind einfach da im Leben,
helfen Lasten wegzuheben.

 



DDR-Tabuthema

Kindesmissbrauch tausendfach vertuscht: Weil nicht sein kann, was nicht sein darf


In der DDR war sexueller Kindesmissbrauch nicht nur geächtet, sondern auch auch ein politisches Tabu. "So etwas" hatte in der sozialistischen Gesellschaft nicht mehr vorzukommen. Die erste systematische Untersuchung zeigt: Es gab Tausende Opfer, deren Leid von höchster Stelle vertuscht wurde. Die Betroffenen blieben fast immer allein.

Von Katharina Kluin – Journalistin beim Stern


Den vollständigen Artikel finden Sie hier.


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Gerd Keil war elf. Er war bei der Berliner Pioniereisenbahn, einer Schmalspurbahn, bei der unter der Aufsicht weniger Erwachsener die Kinder für fast alle Aufgaben verantwortlich waren. Gerd Keils Posten war die Station "Badesee". Der Bahnhofsführer verschloss seine Bürotür hinter ihnen, manchmal mehrmals pro Woche. Ein Amtsträger mit goldenen Schulterklappen. "Ich kam gar nicht auf die Idee, dass man mir glauben könnte, wenn ich etwas sage", erinnert sich Gerd Keil. "Wir hatten von klein auf nur gehört: Erwachsene haben immer recht." Der Albtraum endete erst, als er 14 und zu alt für die Pionierbahn wurde.

Doch Gerd Keil geriet aus der Spur. Er suchte Halt und fand ihn bei Freunden in der Ost-Kirche. Er lernte dort, sich nicht mehr mit einfachen Antworten zu begnügen. Und dass nicht nur er dem System einmal so hilflos ausgeliefert gewesen war. Schließlich versteckte er Fluchtwillige und brachte einige von ihnen auch auf den Weg. Bis man ihn verriet. Politischer Häftling, Zwangsarbeit im Tagebau, wochenlanger Einzelarrest in der Dunkelzelle, kein Klo, ab und an dünne Brühe.

Die Bundesrepublik kaufte ihn kurz vor der Wende frei. Aber Gerd Keil war ein versehrter Mann. Er hat seinen Kindern später nie das Rad aus dem Keller getragen, weil ihn Dunkelheit bis heute zurück in die Arrestzelle versetzt. Manchmal wollen die Worte einfach nicht aus ihm heraus, er schüttelt sich dann, um weitersprechen zu können.

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